Aktuell | 24.07.2026

50. Spendenfahrt nach Nyergesújfalu

(Fortsetzung von der vergangenen Ausgabe) 

Die Spendenfahrten benötigen eine intensive Vorbereitung. 

Die Sachspenden werden durch Mitarbeiter des Bauhofs optimal in ein bis zwei von örtlichen Firmen zur Verfügung gestellten Transportern und Anhängern verladen und verstaut. 

Die Transporter fahren im Regelfall freitags frühmorgens von Karlsdorf-Neuthard nach Nyergesujfalú, wo sie herzlich empfangen und die Sachspenden entladen werden. 

Fast 2.000 km Gesamt-Wegstrecke je Spendenfahrt 

Die Fahrtstrecke beträgt pro Strecke 920 km, die Fahrzeit ca. zwölf Stunden. Die Rückfahrt erfolgt in der Regel sonntagnachmittags. 

Die Spenden bestehen aus Sachspenden und Geldspenden. Sie helfen, Notlagen von Bedürftigen zu lindern. Das im Fahrzeug befindliche Ladegut besteht aus Sachspenden, die im Rahmen einer Sammelaktion in Karlsdorf-Neuthard und Umgebung gesammelt und als Spende kostenlos der Bevölkerung von Nyergesujfalú zur Verfügung gestellt werden. Die Sachspenden bestehen aus Dingen des täglichen Bedarfs, die von ehrenamtlichen Mitarbeitern an Bedürftige, an das Rote Kreuz und an das Alten- und Pflegeheim in Nyergesujfalú verteilt werden. Die Anzahl und Bandbreite der Spenden steigerten sich von Beginn an je Spendenfahrt. Sachspenden waren und sind zumeist schon vor der folgenden Spendenfahrt vorhanden. Da der Platz in den Transportern begrenzt ist, wird dazu aufgerufen, Geld für den Kauf von Grundnahrungsmitteln in Nyergesujfalú oder für die Übernahme der Transportkosten und Vignetten zu spenden. Die Transportkosten werden häufig von einzelnen Bürgerinnen und Bürgern aus Karlsdorf-Neuthard übernommen. Aufgrund des vorhandenen und gestiegenen Bedarfs an Spendengütern in Nyergesujfalú wurde ab der 8. Spendenfahrt im Jahr 2012 der Lieferwagen erstmals durch einen Anhänger ergänzt, der von der Firma Orani zur Verfügung gestellt wird. Bei der 22. Spendenfahrt im Jahr 2016 fuhren erstmals zwei voll mit Sachspenden beladene Transporter nach Nyergesujfalú.

Bei einigen Spendenfahrten (während der Coronazeit) nahm ein Transporter einer ungarischen Spedition die Spendengüter von Karlsdorf-Neuthard nach Nyergesujfalú mit. Auf diese Weise konnten die Spendenfahrten über die Jahre hinweg durchgängig stattfinden. 

Viele unterstützen die gute Sache mit Sach- und Geldspenden 

Bei den von den Geldspenden finanzierten Grundnahrungsmitteln handelt es sich um große Mengen. So wurden bei der 8. Spendenfahrt 50 kg Zucker, 50 kg Mehl und 50 Liter Milch eingekauft, die aus Geldspenden von Einwohnern aus Karlsdorf-Neuthard finanziert worden waren. 

Sachspenden kamen vorwiegend vom FC Germania Karlsdorf, dem Missionskreis Karlsdorf, dem DRK-Ortsverein, dem VARIA Küchenstudio Peter Fuchs, dem Roten Kreuz Karlsdorf, dem Sanitätshaus St. Georg, dem Städtepartnerschaftsverein sowie von vielen Einwohnern und Firmen aus Karlsdorf-Neuthard und Umgebung. Besondere Spenden waren zum Beispiel 300 Tafeln Schokolade, die vom Missionskreis Karlsdorf gespendet wurden sowie 25 Trainingsbälle, die der FC Germania Karlsdorf spendete. Das Sanitätshaus St. Georg spendete Rollstühle, Rollatoren und Pflegehilfsmittel für das Altenpflegeheim in Nyergesujfalú.

Seit einigen Jahren wird die Preisgestaltung der Grundnahrungsmittel durch das SB-Warenhaus Globus übernommen, das auch Warengutscheine spendet.

Von 2007 bis 2010 fand pro Jahr je eine Spendenfahrt statt, die von Roland Weschenfelder organisiert wurde. Ab der 7. Spendenfahrt fanden jährlich drei Spendenfahrten statt, die von Roland Weschenfelder und Uwe Heneka gemeinsam organisiert wurden. 

Ideengeber und Hauptorganisator der Spendenfahrten ist Roland Weschenfelder, der bei jeder der 50 Spendenfahrten als Fahrer dabei war. Sein Motto ist: „Nach der Spendenfahrt ist vor der Spendenfahrt.“ Seit der 7. Spendenfahrt im Jahr 2011 ist Uwe Heneka regelmäßig als Fahrer bei der Spendenfahrt dabei und stellt sein Firmenfahrzeug zur Verfügung. Hinzu kommt bei jeder Spendenfahrt ein weiterer Mitfahrer, sodass insgesamt bereits 38 Einwohner von Karlsdorf-Neuthard an den Spendenfahrten als Fahrer und Mitfahrer teilgenommen haben. In den Anfangsjahren unterstützten vor allem der damalige Bürgermeisterstellvertreter Helmut Schmittinger, Rudolf Schlindwein vom Missionskreis Karlsdorf und Alfred Riffel vom DRK-Ortsverein Karlsdorf die Spendenfahrten. 

„Wir sind wie eine Familie“ 

Was bewegt die Organisatoren persönlich dazu, die umfangreichen Fahrten zu organisieren und durchzuführen? Der Hauptorganisator Roland Weschenfelder sagt hierzu: „Da gibt es vieles. Besonders eindrücklich, immer wieder: Der stille Dank – die Umarmung beim Ausladen und manchmal auch Tränen der Freude – das vergisst man nie. Wir sind zwischenzeitlich wie eine Familie. Die Fahrten sind für mich und alle Begleiter sowie alle Freunde in der Partnergemeinde eine echte Herzensangelegenheit geworden.“ Auch erwiesen sich die Gemeindeverwaltung, die Bürgermeisterin sowie die Einwohner von Nyergesujfalú als sehr dankbar und empfingen ihre Spendenfahrer immer wieder aufs Neue emotional, herzlich und wertschätzend. 

So gab es bei der 27. Spendenfahrt im Jahr 2018 eine Überraschungsgeburtstagsfeier für Roland Weschenfelder. Spendenfahrer Uwe Heneka erhielt bei der 29. Spendenfahrt zu seinem Geburtstag eine große Torte und eine Geburtstagsparty. Bei der 38. Spendenfahrt im Jahr 2022 wurden die Spendenfahrer in der in Nyergesujfalú als Gäste- und Veranstaltungshaus neu gebauten Kernstok-Villa empfangen. Die Spendenfahrer waren die ersten Übernachtungsgäste im Kernstok-Haus und Ehrengäste beim Feuerwehrfamilientag. Bei der 48. Spendenfahrt im Jahr 2025 wurden die Spendenfahrer durch die Bürgermeisterin Mihelik bei der feierlichen Einweihung eines seltenen Feuerwehrdenkmals begrüßt und im Rahmen der Eröffnung des Weihnachtsmarktes verabschiedet. 

Die Spendenfahrten, die vor 19 Jahren in kleinerem Maßstab begannen, haben sich als fester Bestandteil der seit 1991 bestehenden Gemeindepartnerschaft zwischen Karlsdorf-Neuthard und Nyergesujfalú etabliert und bewährt. 

Bei der 40. Spendenfahrt im Jahr 2023 bittet die Bürgermeisterin von Nyergesujfalú, Magdolna Mihelik, darum, die Spendenfahrten weiter fortzuführen, diese würden immer wichtiger. Die Anzahl der Menschen, die auf die Hilfen beim dortigen Roten Kreuz angewiesen sind, nehme stetig zu.

Hilfe unter Freunden 

Längst sind die Transporte zur echten Herzensangelegenheit und zum beeindruckenden Zeichen für Freundschaft, Unterstützung und Verbundenheit über Ländergrenzen hinweg geworden: Eine echte Hilfe unter Freunden, die auf gegenseitiger Augenhöhe und Wertschätzung basiert. Ein Projekt, das den europäischen Gedanken in vorbildlicher Weise lebt und widerspiegelt. Erich Kästner hat einmal gesagt: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“ Die Spendenfahrten zeigen: Karlsdorf-Neuthard tut es. 

Die 50. Spendenfahrt steht kurz bevor. Sachspenden können für diese Spendenfahrt nicht mehr angenommen werden, da bereits genug davon vorhanden sind. Die Lagerkapazitäten der Transporter sind begrenzt. Geldspenden werden von den Organisatoren zu jeder Zeit dankbar entgegengenommen, um die Sachspenden an Ort und Stelle bringen zu können. (CT)