Telekom-Zoff wird überregional

Wettlauf um Glasfaserausbau in den Gemeinden geht an die Schmerzgrenze

(Foto: cah)

Das Thema Glasfaser stand zwar nicht auf der Tagesordnung, war aber am Anfang und Ende der jüngsten Gemeinderatssitzung sehr präsent. Während die Gemeinde als Mitglied der Breitbandkabel Landkreis Karlsruhe GmbH (BLK) den Glasfaserausbau für schnelle Datennetze selbst vorantreibt, war in den letzten Wochen die Telekom parallel dazu aktiv, um die an sich veraltete Vectoring-Technik auszubauen. Bis zu zehn Kolonnen gleichzeitig waren deswegen in der Doppelgemeinde gleichzeitig tätig und sorgten durch ihr spontanes Auftauchen bei Anwohnern und Verkehrsteilnehmern für Unmut. Und nicht nur das: Ein Mitglied des Gemeinderats war durch eine unzureichend gesicherte Baustelle gar auf dem Weg zur Sitzung gestürzt und zog sich unangenehme Hautabschürfungen zu.

Bürgermeister Sven Weigt gab am Ende der Sitzung unter dem Punkt „Informationen“ ausführlich dazu Stellung. Demnach sei die Telekom dem Auftrag der Bundesregierung, den digitalen Ausbau voranzutreiben, nicht nachgekommen. Da inzwischen aber die BLK aktiv geworden ist, wolle sich die Telekom Marktanteile sichern. Dabei wird aber nur Glasfaser bis zum nächsten Verteilerkasten gelegt, zum Verbraucher führt nach wie vor langsames Kupferkabel. Weigt ärgert sich vor allem über die doppelte Infrastruktur: „Nirgends liegt zweimal Strom oder Wasser von verschiedenen Anbietern nebeneinander“, vergleicht er. Man habe sich auch bemüht, Synergien zu schaffen und Leerrohre mit zu verlegen, was teilweise am Verhandlungspartner scheiterte, teilweise am straffen Zeitplan der Bautrupps, die ohne großen Vorlauf mit dem Bau beginnen und die Gräben schnell wieder schließen. In Berlin begrüße man dagegen den Wettbewerb, hieß es, weshalb sich der Landkreis letztendlich bei der Bundesnetzagentur beschwert habe.

Der Zwist zwischen Landkreis und Telekom ist inzwischen über die Region hinaus bekannt. So hatte vor zwei Wochen die Bild-Zeitung berichtet und neben Weigt auch dessen Forster Amtskollegen Bernd Killinger interviewt. Beide Politiker hat sich nun auch der NDR vor die Kamera geholt: Ein Team der politischen Satiresendung „Extra 3“ wollte sich den Irrsinn vor Ort anschauen. Die zuständige Redakteurin bestätigte, dass sich bundesweit viele Gemeinden über „seltsames Gebaren“ der Telekom beschwerten, aber die Situation hier hätte durch die Eigeninitiative des Landkreises „eine andere Qualität“.
(Text/Fotos: cah)

Anmerkung der Redaktion

Die TV-Sendung wurde am 8. Februar im Ersten ausgestrahlt.
 

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