Lebenslagen

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Erste Schritte eines Opfers

Wenn Sie sich als Opfer einer Straftat hilflos- oder ratlos fühlen, sollten Sie sich möglichst umgehend an die Polizei, die Staatsanwaltschaft oder an einen selbst gewählten Rechtsanwalt wenden.

Außerdem stehen Ihnen psychosoziale Prozessbegleiterinnen und Prozessbegleiter zur Verfügung. Bei diesen handelt es sich um besonders für den Umgang mit Opfern von Straftaten weitergebildete Fachkräfte. Sind Sie Opfer einer bestimmten schweren Sexual- oder Straftat geworden, müssen Sie die Kosten für die Fachkraft nicht selbst tragen.

Sie haben die Möglichkeit, eine Strafanzeige und gegebenenfalls einen Strafantrag zu stellen:

  • Wenn Sie eine Straftat vermuten, können Sie diese anzeigen. Dabei ist es unerheblich, ob Sie von dieser Tat selbst betroffen sind oder nicht. Grundsätzlich löst Ihre Anzeige polizeiliche Ermittlungen aus.
  • Sogenannte "Antragsdelikte" werden im Regelfall oder sogar nur dann verfolgt, wenn der Verletzte rechtzeitig Strafantrag stellt, also die Strafverfolgung verlangt. Dass jemand die Straftat angezeigt hat, der von ihr nicht selbst betroffen ist, genügt in diesen Fällen also nicht. Antragsdelikte sind beispielsweise Hausfriedensbruch, Körperverletzung oder Beleidigung, also Straftaten, die in erster Linie Sie persönlich und nicht die Allgemeinheit betreffen.

Wenn Sie sich vor dem Täter fürchten oder von ihm bedroht fühlen, sollten Sie dies bereits in Ihrer ersten Vernehmung ansprechen, damit umgehend polizeiliche Maßnahmen zu Ihrem Schutz geprüft werden können. Polizeiliche Schutzmaßnahmen nach einer Strafanzeige können beispielsweise sein:

  • Polizeigewahrsam
    Wenn eine bevorstehende Störung der öffentlichen Ordnung nicht anders verhindert werden kann, darf ein Täter durch die Polizei ohne richterliche Entscheidung höchstens bis zum Ende des darauf folgenden Tages in Gewahrsam genommen werden. Nach einer richterlichen Anordnung ist ein Gewahrsam bis zu zwei Wochen möglich.
  • Hausverbot (Platzverweis)
    Mit einem Platzverweis wird der Täter verpflichtet, die gemeinsam mit dem Opfer bewohnte Wohnung zu verlassen und sich für einen bestimmten Zeitraum von ihr fernzuhalten.

Um Sie als Opfer weiter zu schützen, besteht außerdem die Möglichkeit, dass

  • Ihr Wohnort und Ihre Erreichbarkeit geheim gehalten werden,
  • die Öffentlichkeit bei Ihrer gerichtlichen Vernehmung ausgeschlossen oder
  • Ihre gerichtliche Vernehmung in Abwesenheit des Angeklagten oder in schwerwiegenden Fällen an einem anderen Ort durchgeführt wird.

Daneben können Sie bei verschiedenen Organisationen, Vereinen und Stiftungen unbürokratische Hilfe und auch finanzielle Unterstützung erhalten. Beispielsweise hat der Weiße Ring e.V. ein bundesweites, gebührenfreies Opfer-Telefon eingerichtet: 116 006. Direkte persönliche Hilfe bekommen Sie außerdem bei einem Ansprechpartner des Weißen Rings in Ihrer Nähe.

Den Anwaltlichen Notdienst für Strafsachen des Stuttgarter Anwaltsvereins und des Pflichtverteidigerbüro e.V. können Sie als Opfer rund um die Uhr (auch an den Wochenenden) unter der Telefonnummer 0711/998 899 66 erreichen.

Freigabevermerk

Dieser Text entstand in enger Zusammenarbeit mit den fachlich zuständigen Stellen. Das Justizministerium und das Innenministerium haben ihn am 04.01.2017 freigegeben.

Die hier dargestellten Informationen werden von service-bw übernommen und regelmäßig aktualisiert.

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